Klimapartnerschaft: Weingartner Delegation besucht Blumenau in Brasilien

Klimaschutz ist ein weltweites Thema. Deshalb fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 50 deutsche Kommunen, darunter Weingarten, die gemeinsam mit ihren weltweiten Partnerstädten entsprechende Projekte angehen. Voraussetzung ist die Entsendung von kommunalen Experten aus den Bereichen Politik und Klimaschutz.

Beim Besuch der Textilfabrik Hering. v.l. Mauricío Pozzobon (Geologe), Sylvio Zimmermann Neto (Präsident Kulturstiftung Blumenau), Marga Fischer, Hans Prayon (ehemaliger Honorarkonsul und Vorsitzender des Familienrates), Carlos Tavares D'Amaral (Verwaltungspräsident Fa. Hering und Präsident IHK), OB Markus Ewald, Marion Erne und Paolo Herwig (Architekt).

Nach dem ersten Arbeitsbesuch einer Delegation aus Blumenau im Juli in Weingarten (wir berichteten) trat nun die Weingartner Delegation die lange Anreise in die brasilianische Partnerstadt an. Dass der Klimawandel kein theoretisches Thema ist, wurde den Teilnehmern angesichts der Hochwassergefahr in Blumenau schnell klar. Wochenlange und extrem heftige Regenfälle hatten den Pegel des Flusses Itajaí-açu, in dessen Tal die Stadt Blumenau liegt, kritisch ansteigen lassen. Glücklicherweise blieb eine Überflutung der Stadt aus. Dennoch kam es zu teils heftigen Erdrutschen. Dank eines perfekt organisierten Einsatzplanes des städtischen Zivilschutzes kamen keine Menschen zu Schaden.

Trotz dieser Umstände wurde der straffe Terminplan aufrechterhalten und so boten sich viele Gelegenheiten mit dortigen Experten zu persönlichen Begegnungen. Die dreiköpfige Delegation mit Oberbürgermeister Markus Ewald, Marion Erne (Beauftragte für Städtepartnerschaften) und Marga Fischer (Stabstelle Klimaschutz) war gefragter Ansprechpartner in vielen Themen.

Neue Projektideen entstanden oder konnten konkretisiert werden. Beispielsweise die Etablierung einer Energieagentur in Blumenau am Beispiel der Energieagentur Ravensburg. Weitere Themen der Klimapartnerschaft sind beispielsweise der Ausbau Erneuerbarer Energien, die Durchführung von Klimastudien oder die Schaffung von „Junior Energiemanagern“ an Schulen. Ein Projekt, das seit 2013 mit großem Erfolg an zehn Blumenauer Schulen durchgeführt wird. Da die Stadt seit jeher mit Hochwasser und Erdrutschen zu kämpfen hat, verfügt sie über ein hervorragendes Krisenmanagement. Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung über soziale Netzwerke ist beispielhaft. Von diesen Erfahrungen kann Weingarten sicherlich profitieren.

Über das Klimaschutzprojekt hinaus bestehen zwischen Weingarten und der Region Blumenau schon seit Jahren viele weitere Verbindungen. Sei es mit den Hochschulen oder Wirtschaftsbetrieben. Bei einem Besuch bei der Deutsch-Brasilianischen Handelskammer wurde der Wunsch bekräftigt, diese bilateralen Kontakte zu stärken. Bei Firmenbesuchen wie T-Systems in Blumenau oder TOX Pressotechnik in der Nachbarstadt Joinville freute man sich sehr über den Besuch der Weingartner Delegation.

Das große Interesse der dortigen Wirtschaft an Kontakten zu Weingarten zeigte sich auch im Rahmen einer Sondersitzung der Industrie- und Handelskammer (ACIB). Die Sitzung fand erstmals in Deutsch statt. Für Überraschung sorgte die Teilnahme des ehemaligen Blumenauer Bürgermeisters  Felix Theiss. Er hatte im Jahr 1975 gemeinsam mit Alt-OB Rolf Gerich die Partnerschaft auf den Weg gebracht.

Der frühere Honorarkonsul Hans Prayon ermöglichte den Gästen eine interessante Führung durch die Textilfabrik Hering in Blumenau. Hering ist einer der größten Textilhersteller Brasiliens, der noch vor Ort produziert.
Großes Interesse am Austausch mit Weingarten zeigte sich auch beim Besuch der Blumenauer Universität FURB. Die städtische und zugleich private Universität hat bereits eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Weingarten, ist aber auch sehr an einem Kontakt mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten interessiert. Neben der Vorstellung von Initiativen in Forschung und Entwicklung in Bezug auf Energieeffizienz, präsentierten Studenten der Universität FURB ihre Master- oder Bachelorarbeiten zu klimarelevanten Themen.

(Erstellt am 18. November 2015)
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