Blutfreitag in Weingarten am 26. Mai: Verehrung des Heiligen Blutes Christi

Weingarten (sc/bs) – Am 26. Mai 2017 findet der diesjährige Blutritt statt. Er wird jedes Jahr am Freitag nach Christi Himmelfahrt, dem so genannten "Blutfreitag", zur Verehrung der Heilig-Blut-Reliquie begangen. Dieses Brauchtum wird in der oberschwäbischen Stadt Weingarten seit über 900 Jahren gepflegt.

Blutritt in Weingarten
Der Weingartener Blutritt – mit gut 2.500 Teilnehmern hoch zu Ross Europas größte Reiterprozession zu Ehren des Heiligen Blutes Christi. Das Bild zeigt Dekan Ekkehard Schmid, der das Heilige Blut trägt.(Bild: Derek Schuh)

Der Legende nach birgt die Heilig-Blut-Reliquie, die in der Basilika St. Martin aufbewahrt wird, einen Blutstropfen von Jesus Christus. Beim Blutritt trägt der klerikale Heilig-Blut-Reiter die Reliquie durch Stadt und Fluren. Begleitet wird er von Europas größter Reiterprozession mit gut 2.500 Wallfahrern hoch zu Ross. Die Festpredigt wird Erzbischof Stephan Burger aus Freiburg halten. Aus Weingartens italienischer Partnerstadt Mantua reist eine kirchliche Delegation unter der Leitung des Mantuaner Bürgermeisters Mattia Palazzi an. Er wird von Assessor Andrea Murari begleitet, der bereits im letzten Jahr die Stadt Mantua vertreten hat.

Erhaben thront Deutschlands größte Barockbasilika, umrahmt von einer beeindruckenden Klosteranlage, auf dem Martinsberg im oberschwäbischen Weingarten. Ihr kostbarster Schatz verbirgt sich im Altar unter der Kuppel: Die Heilig-Blut-Reliquie in Form eines mit Edelsteinen besetzten Kreuzes, die der Legende nach mit Erde vermischtes Blut von der Kreuzigung Christi enthält. In der oberitalienischen Stadt Mantua im Jahr 804 erstmals aufgefunden, in den Wirren der Geschichte versteckt und in Vergessenheit geraten, wurde sie 1048 wiederentdeckt und später zwischen der Stadt Mantua, dem Papst in Rom und dem deutschen Kaiser Heinrich III. geteilt. Der kaiserliche Teil gelangte 1094 über die Welfengemahlin Judith von Flandern ins Benediktinerkloster Weingarten, das die Welfen zuvor auf dem dortigen Martinsberg gegründet hatten und das noch heute Grablege des europäischen Adelsgeschlechts ist. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich eine starke Wallfahrtstradition, deren Höhepunkt bis heute alljährlich der so genannte "Blutritt" ist.
 
Die Feierlichkeiten beginnen am Tag von Christi Himmelfahrt mit der Anreise der rund 100 aus ganz Oberschwaben und darüber hinaus teilnehmenden Reitergruppen. In den Abendstunden begeben sich dann Gäste und Einheimische zur Messe in und vor die Barockbasilika. Erzbischof Stephan Burger hält die diesjährige Festpredigt. Nach Einbruch der Dunkelheit ziehen die Gläubigen in einer Lichterprozession betend und singend von der Basilika durch die festlich erleuchtete Stadt zur Andacht auf den nahe gelegenen Kreuzberg.
 
Den glanzvollen Höhepunkt bildet der darauffolgende „Blutfreitag“. Pünktlich um 7 Uhr wird das Reliquiar an den Heilig-Blut-Reiter übergeben. Die feierliche Übergabe eröffnet die Reiterprozession, die in dieser Form und Größe einmalig in Europa ist. Gut 2.500 Reiter in Frack und Zylinder aus allen Teilen Oberschwabens und darüber hinaus, die jeweils von ihren Pfarrern und Ministranten ebenfalls hoch zu Ross begleitet werden, begleiten den Heilig-Blut-Reiter auf seinem zehn Kilometer und drei Stunden langen Weg durch die Stadt und die angrenzenden Flure, um den Segen des Heiligen Blutes Christi für sich und ihre Familien zu erbitten. Vorbei am Spalier der zahlreichen Pilger und Touristen, führt der Zug auch am Rathaus der Stadt vorbei, in das Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche sowie die "Blutreiter-Veteranen" geladen hat.
 
Die Rückgabe der Heilig-Blut-Reliquie erfolgt gegen 11 Uhr auf dem Äußeren Klosterhof. Der Festprediger und weitere Geistliche mit ihren Ministranten sind versammelt, um das Kleinod in feierlicher Prozession in die Basilika zurückzugeleiten. Der festliche Abschluss erfolgt um 11.15 Uhr in der Basilika mit dem Pontifikalamt, das von Chor und Orchester virtuos umrahmt wird. Für die Reiter, die zum Teil von Kindesbeinen an am Blutritt teilnehmen und die bis zu 30.000 Pilger entlang des Weges, ist die Prozession ein tiefes Bekenntnis zu ihrem christlichen Glauben.
 
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Das oberschwäbische Weingarten liegt an der Bundesstraße 30 zwischen Ulm und dem Bodensee. Weitere Auskünfte zum Blutritt gibt es im Internet unter www.weingarten-online.de bzw. bei der städtischen Abteilung Kultur und Tourismus, Tel.: 0751/405-125.
 

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