Kunstinstallation als Denkmal

Der Bregenzer Künstler Marbod Fritsch soll das Denkmal zum Weingartener Vertrag gestalten. Das Preisgericht würdigt seine moderne, kluge Installation, die an die Fassade eines Gebäudes angebracht wird – und auf den ersten Blick irritiert. 

So könnte die Installation an einer Hauswand aussehen.

Das Denkmal, das die Erinnerung an das geschichtsprägende Ereignis vor 500 Jahren wachhalten soll, ist ungewöhnlich. Anders als bei allen anderen eingereichten Vorschlägen handelt es sich beim siegreichen Entwurf nicht um eine klassische Skulptur, sondern um eine Installation an einem Gebäude. Ein Textfragment, das aus dem Weingartener Vertrag stammt, wird in vergoldeten Großbuchstaben an eine Hauswand geschrieben: „Damit Frieden, Ruhe und Einigkeit dauerhaft bewahrt werden, sollen wir...“ Das offene Ende, das entgegen dem Original von „sollen die...“ in „sollen wir...“ verändert wurde, richtet sich an den Betrachter. „Wir werden aufgefordert, diese Leerstellen zu füllen, denn nur durch unser Tun wird jeder Vertrag lebendig“, sagt der Künstler Marbod Fritsch dazu. 
Der Betrachter soll stehen bleiben, den schwer lesbaren Satz entziffern und nachdenken. Eine Stele am Boden soll hierzu – auch mit QR-Code auf digitale Inhalte – weitere Hinweise geben. Das Preisgericht teilt den Ansatz des Künstlers, Erinnerung nicht als abgeschlossen, sondern als stets auf Erneuerung und Veränderung basierenden Prozess zu sehen. Die ungewohnte Gestaltung lädt zur Auseinandersetzung über die Inhalte des Weingartener Vertrags, die geschichtliche Bewertung und die daraus zu ziehenden Lehren ein.
Als Standort schlägt Marbod Fritsch das „Ruthersche Haus“ auf dem Münsterplatz vor, jedoch eigne sich auch jede andere Fassade, etwa am „Hirschen“ (Tourist-Information) oder am Kornhaus. Die Stadt wird in Gesprächen mit dem Denkmalschutz und den Gebäudeeigentümern zunächst die Realisierungschancen der Standorte klären. Gleichzeitig wird die Spendenkampagne des Fördervereins fortgesetzt. Bisher sind knapp 16.000 Euro eingegangen, die Installation wird etwa 30.000 Euro kosten.
Das Denkmal soll im Jubiläumsjahr 2025 fertig sein.

Möchten Sie die Umsetzung des Denkmals mit einer Spende unterstützen? Dann wenden Sie sich bitte an Dr. Larissa Düchting vom städtischen Amt für Kultur und Tourismus unter der Nummer 0751/405-255 oder per Mail an l.duechting@weingarten-online.de.
Mehr dazu finden Sie auch auf der Ehrenamtsplattform der Stadt Weingarten unter Spendenausschreibung: Spenden für Denkmal zum Weingartener Vertrag (weingarten-engagiert.com).

Hintergrund
Der Gemeinderat hatte in seiner Sitzung vom 28. Juni 2021 die Errichtung eines Denkmals zum Weingartener Vertrags von 1525 beschlossen. Zur Durchführung eines Auswahlverfahrens sowie zur überwiegenden Finanzierung über private Spenden und Fördergelder wurden eine Projektgruppe sowie ein Förderverein ins Leben gerufen.  
Auf Initiative der Projektgruppe hat die Stadt einen offenen, zweiphasigen Kunstwettbewerb ausgelobt und diesen am 2. Januar 2022 auf der Ausschreibungsplattform www.service.bund.de veröffentlicht. In der ersten Wettbewerbsphase hat das aus Vertretern der Projektgruppe sowie der Fraktionen des Gemeinderats zusammengesetzte Preisgericht aus insgesamt 20 eingereichten Bewerbungen vier Künstler in die engere Wahl genommen und diese mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beauftragt.  
Nach Abschluss der zweiten Wettbewerbsphase hat sich das Preisgericht am 27. Oktober 2022 nach ausführlicher Bewertung und Beratung der vier im Wettbewerb verbliebenen Arbeiten auf eine Platzierung verständigt. Auf Platz eins gesetzt und damit dem Gemeinderat zur Umsetzung empfohlen wurde die Arbeit des Vorarlberger Künstlers Marbod Fritsch aus Bregenz.
 
Marbod Fritsch (*1963) lebt und arbeitet in Wien und Bregenz. Er studierte von 1987 bis 1992 an der Universität für angewandte Kunst Wien. Seit reichhaltiges Werk umfasst neben Skulpturen und Zeichnungen auch zahlreiche Installationen im öffentlichen Raum. Schwerpunkt seines Wirkens ist das Land Vorarlberg, Näheres zu Person und Werk unter www.marbodfritsch.com.

Förderverein
In einer Mitgliederversammlung am 7. November 2022 hat sich der Förderverein mit Rudolf Bindig als Erstem Vorsitzenden, Prof. Dr. Hans Ulrich Rudolf als Zweitem Vorsitzendem und Peter Didszun als Schriftführer neu aufgestellt.

Der bewusst schwer zu lesende Satz soll zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung anregen.
(Erstellt am 23. November 2022)
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